Leitbild

Konzeption der Kinder- und Jugendbildungsstätte „Winfriedhaus“ im Bistum Dresden-Meißen

Das Winfriedhaus (WH) ist die Kinder- und Jugendbildungsstätte des Bistums Dresden-Meißen. Als solche nimmt es in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine besondere Rolle als Ort kinder- und jugendpastoraler Arbeit ein, der auch mit einem spezifischen pastoralen wie sozial-politischen Bildungsauftrag verbunden ist. Die vorliegende Konzeption soll diese Spezifik des Hauses auf verschiedenen Ebenen herausarbeiten und verdeutlichen.
Das gesamte Leitbild gibt es hier als PDF.

Vision des Hauses

Die pastorale und pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen braucht notwendig Räume, in denen die jungen Menschen sich ihrer Lebensphase entsprechend und frei von den üblichen Konventionen der Erwachsenenwelt entfalten können. Das WH ist daher ein Ort, der sich speziell an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene richtet und deren Anforderungen und Bedürfnissen in besonderer Weise Rechnung trägt.

Die jungen Besucherinnen und Besucher des Hauses erleben hier einen Raum der Gemeinschaft, der Selbsterfahrung und der Begegnung mit der frohen Botschaft des Evangeliums, der sie befähigt und bestärkt, die Herausforderungen des Lebens und der gegenwärtigen Zeit in der ihnen eigenen Weise zu meistern.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie Verantwortliche finden im WH optimale Bedingungen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Richtung dieser Zielvorstellung.

Biblisch begründeter Auftrag des Hauses

Das WH versteht sich als Raum, in dem vor allem junge Menschen mit der frohen Botschaft des Evangeliums in Kontakt kommen können. Struktur und Arbeit des Hauses sind dabei von der Überzeugung getragen, dass diese Begegnung mit dem biblisch-christlichen Gott verschiedene Dimensionen hat, die jede auf ihre Art einen wichtigen Beitrag zur lebensdienlichen (Weiter-)Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben können.

Inspiriert sind diese Dimensionen vor allem von

  • der Emmaus-Geschichte Teil 1 (Lk 24,13-17a),
  • der Emmaus-Geschichte Teil 2 (Lk 24,31-33a),
  • dem Epheserbrief (Eph 4,14a.15-16) sowie
  • der Erzählung von der Brotvermehrung (Joh 6,5.9.11).

Sie lassen sich in Beziehung zu den „Zeichen der Zeit“ setzen, die gerade junge Menschen in besonderer Weise herausfordern.

BEGEGNUNG UND GEMEINSCHAFT

Das Winfriedhaus fördert Weggemeinschaft

Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?

(Lk 24,13-17a)

Das WH lädt Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein, zusammen Zeit zu verbringen, ins Gespräch zu kommen und Lebensfragen miteinander zu teilen. Das Haus bietet dafür verschiedene Räume und Formate der Begegnung und des Gemeinschaftserlebens an. Dabei werden die jungen Menschen in ihrem Suchen und Verstehen des Lebens von Begleiterinnen und Begleitern unterstützt und ermutigt. Die persönlichen Lebens- und Glaubensfragen sowie damit verbundene Erfahrungen, Erkenntnisse und Enttäuschungen sind ebenso Deutungshorizonte wie die Heilige Schrift und die Tradition der Kirche.

ERKENNTNIS UND SENDUNG

Das Winfriedhaus will die Erkenntnis und Sendung in jungen Menschen wecken

 „Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? Noch in derselben Stunde brachen sie auf.“

(Lk 24,31-33a)

 

Wir ermutigen die jungen Besucherinnen und Besucher, die im und durch das Haus erhaltenen Impulse entschlossen mit in ihr alltägliches Leben zu nehmen und andere Menschen daran teilhaben zu lassen. Dabei geht es vor allem auch um die Frage, welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen und wie sie in dieser wirksam werden wollen. So sollen sie sich als Gesendete verstehen, die selbst zu Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern anderer sowie Botschafterinnen und Botschaftern eines neuen Geistes werden können.

 

LEIDENSCHAFT UND ENTFALTUNG

Das Winfriedhaus entfaltet Potenziale und stärkt Menschen und Haltungen

Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, geschaukelt und getrieben von jedem Widerstreit der Lehrmeinungen. … Wir … wollen, von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus, ist das Haupt. Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt durch jedes Gelenk. Jedes versorgt ihn mit der Kraft, die ihm zugemessen ist.
So wächst der Leib und baut sich selbst in Liebe auf.

(Eph 4; 14a.15-16)

Wir sind davon überzeugt, dass Christus in gelingender Begegnung nicht nur den einzelnen Menschen neu aufbauen (heilen), sondern alle Menschen zueinander führen und Vereinzelungen abbauen kann. Dazu schenkt er jedem Menschen besondere Gaben, die er zum Wohl der Gemeinschaft in diese einbringen soll. Das WH versteht sich als Schutz- und Experimentierraum, in dem sich junge Menschen in vielfältiger Weise ausprobieren und ihre je besonderen Gaben entdecken und entfalten können. Auf diese Weise sollen sie mehr und mehr erkennen, was ihnen im Leben Sicherheit und Halt gibt und wovon ihr Leben getragen ist und sein soll.

VERTRAUEN UND (BE-)STÄRKUNG

Das Winfriedhaus möchte die Leidenschaft in jungen Menschen wecken

Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? … Einer seiner Jünger, … sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische … Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte es an die Leute aus, soviel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.

(Joh 6,5.9.11)

Wer ins WH kommt, hat sich bewusst auf den Weg gemacht und sein gewohntes Umfeld verlassen. Dieser Abstand vom Alltag bietet die Chance, seinen Blick zu weiten und andere Perspektiven einzunehmen. Die neu entdeckten Möglichkeiten und gewonnenen Erfahrungen können die Freude auf MEHR auslösen und Kräfte freisetzen.

Profil des Hauses

Ausgehend von Vision und biblisch begründetem Auftrag lassen sich für das WH sechs Profillinien ableiten, die Selbstverständnis und Arbeitsweise des Hauses ausmachen und prägen.

Ort der Begegnung mit der frohen Botschaft des Evangeliums

Als Haus in Trägerschaft der katholischen Kirche versteht sich das WH in besonderer Weise der frohen Botschaft des Evangeliums sowie dem christlichen Menschenbild verpflichtet. Junge Menschen können hier im alltäglichen Miteinander erfahren, wie christliche Werte gemeinschaftliches Leben prägen und in Begegnung kommen mit dem, was christlich-katholisches Leben ausmacht. Liturgisch gestaltete Räume (Kapelle, Meditationsboden), christliche Symbolik (z. B. Kreuze) sowie praktizierte Bräuche und Rituale (z. B. Adventskranz, Tischgebet) laden die jungen Besucherinnen und Besucher des Hauses zum Entdecken und Hinterfragen ein – ohne jedoch vordergründig oder vereinnahmend zu wirken.

Raum der Entwicklung und Entfaltung junger Menschen

Das WH möchte junge Menschen, orientiert an den Dimensionen des eingangs beschriebenen biblischen Auftrags, zur (Weiter-)Entwicklung und persönlichen Entfaltung anregen. Das räumliche und inhaltliche Angebot des WH ist daher so angelegt, dass die jungen Besucherinnen und Besucher im und durch das Haus:

  • sich selbst und andere kennenlernen können,
  • Begleitung, Versöhnung und Heilung erfahren können,
  • Glaube als eine Weg- und Orientierungsmarke erleben können,
  • (neue) Perspektiven auf und für das eigene Leben gewinnen können,
  • das eigene Leben selbstwirksam gestalten lernen können,
  • zur Übernahme von Verantwortung und Mitgestaltung von Gesellschaft ermutigt werden.

Ausrichtet an den (besonderen) Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen

Das WH versteht sich als pastoral-pädagogischer Ort, der sich in besonderer Weise an den Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen orientiert und sein Handeln daran ausrichtet. Diese Grundhaltung drückt sich sowohl im räumlichen und inhaltlichen Angebot des Hauses, als auch im Selbstverständnis der im und für das Haus arbeitenden Menschen aus.

Räume und Angebote sind so angelegt, dass sie:

  • Begegnung und Kommunikation anregen.
  • Erfahrungs- und Freiräume eröffnen.
  • Anregung und Begleitung geben.
  • Partizipation und Mitgestaltung fördern.
  • vielfältige und ganzheitliche Zugänge ermöglichen.

Die Mitarbeiter/-innen und Referent/-innen im Haus:

  • verstehen sich als Repräsentanten des Hauses und seines Auftrags.
  • nehmen die (jungen) Gäste mit Freundlichkeit und Wertschätzung an.
  • stellen sich flexibel auf die unterschiedlichen Bedarfe von Gruppen ein.
  • sind offen für Begegnung, Gespräch und Begleitung junger Menschen.
  • geben mit ihrem Handeln ein authentisches Beispiel eines lebendigen Miteinanders.

Zentraler Knoten im Netzwerk der kinder- und jugendpastoralen Arbeit

Als Kinder- und Jugendbildungsstätte des Bistums Dresden-Meißen nimmt das WH eine besondere Stellung im Netzwerk kinder- und jugendpastoraler Angebote und Orte ein. Diese begründet sich einerseits in der bereits genannten spezifischen Ausrichtung auf die Bedürfnisse junger Menschen. Zum anderen baut sich diese auch strukturell durch eine enge Vernetzung mit anderen Orten, Akteuren und Ebenen kinder- und jugendpastoraler Arbeit auf.

Für die Netzwerkarbeit des WH gilt daher:

  • Das WH ist ein fester Ort katholischer Kinder- und Jugendarbeit. Es ist als Haus ein Fixpunkt im Netzwerk, der allen Akteuren bekannt und vertraut ist.
  • Ergänzend zur Arbeit in der Gemeinde/Pfarrei, in der Schule oder im Verein können sich Gruppen junger Menschen hier über mehrere Tage treffen. Das WH bietet dafür kinder- und jugendgerechte Möglichkeiten der Unterkunft, Verpflegung, Begegnung, Bildung, Erholung und Spiritualität.
  • Das WH ist für junge Menschen auch ein emotionaler Ort. Hier trifft man Freunde, hier schließt man neue Freundschaften und kann so einen biographisch-verknüpften Zugang und Bezug zur katholischen Kinder- und Jugendarbeit aufbauen.
  • Positive Erfahrungen und Schlüsselerlebnisse, die im und durch das WH gemacht werden, sollen die jungen Menschen nicht nur persönlich stärken, sondern über die persönliche Bindung auch zur aktiven Mitarbeit in kinder- und jugendpastoralen Angeboten motivieren.

Offen und einladend für alle jungen Menschen

Das WH befindet sich am östlichen Rand des Bistums Dresden-Meißen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und somit in einem Umfeld doppelter Diaspora: Nur knapp drei Prozent der Gesamtbevölkerung sind Katholiken, nicht ganz 20 Prozent gehören der Evangelischen Kirche an. Die Zugehörigkeit zu einer christlichen Religionsgemeinschaft und praktizierte Religiosität sind damit eher die Ausnahme und gehören für rund 78 Prozent der Menschen in keiner Weise zum alltäglichen Erfahrungshorizont. Die Kinder und Jugendlichen der Region wachsen somit in einem weitgehend atheistischen Umfeld auf. Sie nehmen Kirche kaum oder nicht aktiv wahr und haben kein Bedürfnis nach ihren (üblichen) Angeboten.

Die Umsetzung der eingangs formulierten Vision WH kann gerade deshalb nicht allein als binnenkirchliche Aufgabe verstanden werden. Vielmehr möchte das WH junge Menschen insgesamt – christliche ebenso wie nicht-christliche Personen und Gruppen – mit seinem Angebot ansprechen. Das Haus versteht sich dabei als deutlich christlich-katholisch profilierter, aber dennoch anschlussfähiger Rahmen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus der Region, aus Sachsen und darüber hinaus.

Ermöglicht werden soll dieser Rahmen dabei durch:

  • Öffnung von Haus und Gelände für Maßnahmen und Angebote anderer Träger und Einrichtungen,
  • Öffnung des Hauses als Treffpunkt für regionale/kommunale Gruppen und Kreise,
  • Durchführung und Mitgestaltung von kommunalen Festen und Veranstaltungen,
  • Zusammenarbeit mit regionalen/lokalen Anbietern der Freizeit- und Touristikbranche,
  • Kooperationen mit regionalen Vereinen und anderen Trägern der freien Jugendhilfe/ Konzeption und Durchführung gemeinsamer Angebote,
  • gezielte Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit für Multiplikator/-innen (Lehrer/-innen, ehrenamtliche Jugendleiter/-innen, Eltern).

Nachhaltig und verantwortungsvoll im Handeln

Das WH sieht sich in seinem gesamten Handeln den Prinzipien der Verantwortung und Nachhaltigkeit verpflichtet. Das betrifft sowie die inhaltliche und thematische Ausrichtung der Arbeit sowie die Ausstattung und Bewirtschaftung des Hauses als auch den Umgang mit Gästen und Personal.

Konkret kommen Verantwortung und Nachhaltigkeit folgendermaßen zum Tragen:

  • Verwendung möglichst natürlicher und langlebiger Baustoffe und Materialien,
  • Nutzung von Grundwasser und Erdwärme sowie Einsatz von Photovoltaik,
  • bevorzugter Einsatz regionaler, saisonaler und/oder fair gehandelter Lebensmittel,
  • Berücksichtigung lokaler und regionaler Gegebenheiten und gezielte Vernetzung mit lokalen und regionalen Akteuren der Kinder- und Jugendarbeit,
  • Ablehnung gewalttätiger, menschenrechtsverletzender und/oder fremdenfeindlicher Einstellungen, Äußerungen und Taten,
  • Förderung eines offen-kommunikativen und partizipativen Arbeitsklimas,
  • regelmäßige und verzahnte Maßnahmen der Personal- und Teamentwicklung.

Logo und Farbkonzept des Hauses

Das Logo der Kinder- und Jugendbildungsstätte „Winfriedhaus“ ist einprägsam, aber auch verspielt und individuell. Elementar für die Wirkung des Designs ist die Balance zwischen farbenfroher Bild- und sachlicher Wortmarke.

Das Initial „W“ besteht aus verschiedenfarbigen Flächen, die die Vielfältigkeit der Hausgäste und der Angebote widerspiegeln, aber auch für die Gemeinschaft, den Zusammenhalt und den lebendigen Austausch stehen.

Das „W“ ist trotz seiner aufgebrochenen Konturen deutlich zu erkennen. Die Leerräume symbolisieren das Lernen und das Sammeln von Erfahrungen. Mit diesen beiden Aspekten ist die individuelle Entwicklung sehr gut möglich. Wie im echten Leben auch, setzt sich das Logo aus Puzzlestücken zusammen, die dann ein Ganzes ergeben.

Die Farben gehören zum Farbkonzept des Hauses. Sie drücken die Lebensfreude aus, wirken beruhigend und harmonieren miteinander. Keiner der Töne stellt sich in den Vordergrund.
Das Logo ermöglicht eine große Flexibilität, da die Flächen neu zusammengesetzt werden können. Dadurch lässt sich eine neue Bildsprache/Symbolik aufbauen.

Neben das variabel einsetzbare Logo wurde eine schlichte und schnörkellose Schrift mit dem Namen des Hauses gestellt. Diese Schriftart unterstreicht den klaren Bildungsauftrag des Hauses und ermöglicht eine Identifikation der Gäste mit dem Winfriedhaus.

 

Name des Hauses

Der Name des Winfriedhauses wurde 1954 in der Konferenz der Jugendseelsorger festgelegt.

Er geht auf den Heiligen Bonifatius zurück, einem der bekanntesten christlichen Missionare und dem wichtigsten Kirchenreformer im Frankenreich. Er lebte von 673 bis 755. Sein Geburtsname war Wynfreth oder auch Wynfrith, Winfrid bzw. Winfried. Bonifatius war Missionserzbischof, Bischof von Utrecht und weiteren Städten sowie Gründer mehrerer Klöster. Wegen seiner aktiven Missionstätigkeit wurde er „Apostel der Deutschen“ genannt und seit dem 16. Jahrhundert von der katholischen Kirche verehrt.